72 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

 

Der Antifaschistische Laienchor unterstützt die Pirnaer Aktion #MenschPirna zum 72. Geburtstag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte

Wir sind Patin des Artikel 3 Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

„Für die Freiheit, für das Leben!“ – heißt für uns, antifaschistisch zu sein.

Mitunter teilen Bekannte anlässlich von Demonstrationen gegen Rassismus, gegen Nazis und Rechte oder deren Veranstaltungen uns mit, dass sie lieber nicht teilnehmen möchten, weil es immer nur „gegen“ etwas geht, weil sie lieber bei einer Demo mitlaufen wollen, die „für“ etwas ist. – Aber der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, gegen jede Art von Ungleichheitsideologie, gegen rechte Ideologien und Gruppierungen, ist notwendigerweise untrennbar mit der Verteidigung des Rechts auf Leben, Freiheit und Sicherheit eines jeden Menschen verbunden!
Wir nennen uns Antifaschistischer Laienchor Pir-Moll. Viele unserer Lieder erzählen vom Kampf für das Leben und für die gleichen Rechte aller Menschen. Wir singen auch Lieder aus der Zeit des Nationalsozialismus bzw. des Faschismus. Sie sind entstanden im Kampf gegen diese lebensfeindliche, tödliche Realität, in der Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Armut, Religion oder Behinderung das Recht auf Leben verwehrt wurde. Sie wurden entrechtet, gezählt, verraten, zwangsumgesiedelt, inhaftiert, gefoltert, hingerichtet, vernichtet.
Dies geschah in jedem Ort – auch in Pirna. Zum Beispiel liegt in der Schmiedestraße 8 die Fronfeste. Direkt nach der Wahl vom 5. März 1933 wurden Menschen hier eingesperrt und zum Teil ins KZ Hohnstein verschleppt. Einer der ersten Gefangenen der Pirnaer Fronfeste war der jüdische Zahnarzt Max Tabaschnik. Nach einer Hausdurchsuchung am 6. März 1933 wurde er am Abend des 25. März festgenommen und inhaftiert.
Auch ein Mangel an solidarischen Menschen und an politischen Gegner*innen der Nazis hatte diese Verbrechen möglich gemacht.
Verbunden mit der Hoffnung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit damit verhindern zu können, verkündeten die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.
Doch spätestens seit den 1990er Jahren, den sogenannten #Baseballschlägerjahren, und auch heute, ist es nötig, dass wir täglich Stellung beziehen, widersprechen, eingreifen, dagegenhalten – gegen rechte Ideologien – für die Freiheit, für das Leben. Wir als Individuen müssen das tun, aber vor allem von unserem Staat erwarten wir, dass er alle nur denkbaren Anstrengungen unternimmt, um dieses Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit aller Menschen zu schützen, auf die sich sein politischer Einfluss erstreckt, sei es auf dem Gebiet der BRD oder an den Grenzen Europas.
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Informationen zur Aktion findet ihr unter www.mensch-pirna.de 
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Das Lied des KZ Sachsenburg 

Eines der sehr frühen Konzentrationslager, die schon in den ersten Monaten des Nationalsozialismus eingerichtet wurden, war die Sachsenburg, in einer ehemaligen Spinnerei in der Nähe von Chemnitz. Hier wurden an politischen Gegnern die Methoden erprobt, die in den späteren großen Konzentrationslagern angewandt wurden.
Anfang des Jahres 2020 erreichte uns die Anfrage aus der Gedenkstätte Sachsenburg, ob wir für unseren Auftritt zur dortigen Gedenkveranstaltung Sachsenburger Dialog das Lied des Lagers aufführen könnten. Dafür bekamen wir die Kopie einer Handschrift von 1964, in der eine einfache Melodie und der Text für drei Strophen festgehalten waren. Dieser Melodie stellten wir eine Gitarrenbegleitung zur Seite. Angelehnt an ein Blatt mit einem Chorsatz für vier Stimmen und zwei Trompeten, arrangiert von Fritz Herberger, bekam das Lied von uns noch eine zweite Stimme. Inzwischen wissen wir, dass sich auch noch zwei weitere Chöre bzw. Chorleiter in diesem Jahr mit dem Arrangement dieses Liedes befasst haben. Wir kennen noch keine dieser Versionen. Dies ist eine unserer ersten Interpretationen des Liedes.
Das Lied von der Sachsenburg – Antifaschistischer Laienchor Pir-Moll, Probe im Juni 2020

 

Pir-Moll-Bodenkleber vor der ehemaligen Fronfeste in der Schmiedestraße in Pirna, geklebt am 17.12.2020
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